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EnergieReihe Industriestrompreis, Teil 3 von 9

Industrie­strom­preis Gegenleistung: Was zählt?

Stand Veröffentlicht

Wer den Industriestrompreis erhält, muss als Gegenleistung mindestens die Hälfte davon in Anlagen investieren, die die Kosten des Stromsystems senken. Welche Maßnahmen und Kosten zählen, bis wann investiert sein muss und warum eine Lücke doppelt so viel Rückforderung auslöst, wie sie groß ist.

Juli 2026: Energiemanagement und Nachhaltigkeitsteam der Gruppe sitzen über einer gemeinsamen Liste. Die Schmiede erwartet 224.640 Euro Zuschuss, die Gießerei 149.760 Euro. Auf der Liste stehen bisher eine Photovoltaikanlage für die Gießerei und ein Batteriespeicher für die Schmiede.

Welche Gegenleistung verlangt der Staat?

Die Hälfte des Zuschusses wird investiert. Sie fließt in neue oder modernisierte Anlagen, die messbar zu niedrigeren Kosten des Stromsystems beitragen, ohne mehr fossile Brennstoffe zu verbrauchen, für die Schmiede also wenigstens 112.320 Euro und für die Gießerei 74.880 Euro. Festlegen muss sich ein Unternehmen im Antrag noch nicht, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFABundesamt in Eschborn unter Fachaufsicht des Bundeswirtschaftsministeriums. Es bewilligt den Industriestrompreis, prüft die Anträge und entscheidet auch über die Besondere Ausgleichsregelung.) empfiehlt aber, früh zu planen. Investitionen, die schon als GegenleistungPflicht, mindestens die Hälfte des Zuschusses in neue oder modernisierte Anlagen zu investieren, die die Kosten des Stromsystems senken, in der Regel binnen 48 Monaten nach dem Bescheid. Amtlich: Dekarbonisierungsmaßnahme. für eine andere Entlastung dienen, etwa die Besondere AusgleichsregelungBegrenzung der KWKG-Umlage und der Offshore-Netzumlage für stromkostenintensive Unternehmen nach dem Energiefinanzierungsgesetz, beantragt beim BAFA bis 30. Juni für das folgende Jahr. Lässt sich mit dem Industriestrompreis verbinden. oder die StrompreiskompensationBeihilfe für die CO2-Kosten des Emissionshandels, die über den Strompreis weitergegeben werden; bewilligt von der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt). Strom, für den sie beantragt wird, zählt beim Industriestrompreis nicht., zählen nicht doppelt; aufteilen lässt sich eine Investition aber.

Welche Maßnahmen werden anerkannt?

Die Richtlinie kennt vier Gruppen.

  • Erneuerbare Erzeugung

    eigene Photovoltaik oder ein neu geschlossener Liefervertrag, der eine neue oder modernisierte Wind- oder Solaranlage finanziert.

  • Stromeffizienz

    Technik, die den Strombedarf senkt, etwa effizientere Antriebe und Kompressoren aus einem Energieaudit oder genutzte Prozesswärme; Einsparungen allein bei Gas oder Öl gehören nicht hierher.

  • Flexibilität

    Technik, mit der der Betrieb seinen Strombezug an Markt- oder Netzsignale anpasst, vom Speicher über eine Laststeuerung bis zum Wechsel eines Gasprozesses auf Strom; Lager für Brennstoffe oder Produkte zählen nicht.

  • Netzinfrastruktur

    Netzanschlüsse und Leitungen im Werk, etwa um Speicher, eigene Erzeugung oder neue elektrische Anlagen einzubinden, auch Baukostenzuschüsse und netzdienliche Technik.

Die Anlage muss nicht am geförderten Standort stehen, wohl aber in Deutschland, und bauen darf auch ein anderes Unternehmen, sofern es schriftlich in die Auskunftspflichten und den Abgleich seiner Förderbescheide einwilligt; verantwortlich bleibt das antragstellende Unternehmen. Die Gießerei setzt ihre Photovoltaikanlage deshalb auf das Dach des Montagewerks, ohne Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz; Leistungen des Montagewerks, etwa Montagearbeiten, zählen innerhalb der Gruppe höchstens zum Marktpreis; eine Dachmiete ist laufender Aufwand und zählt nicht.

Die Schmiede baut einen Batteriespeicher in die eigene Halle. Ob eine Maßnahme zählt, entscheidet das BAFA nach dem Bescheid auf Antrag, bevor sie umgesetzt wird; wer unsicher ist, sollte das nutzen, bevor das Geld ausgegeben ist.

Welche Kosten zählen mit?

Entscheidend ist, was die Anlage braucht. Dazu gehören Kaufpreis, externe Planung, Montage und Elektroarbeiten. Nicht dazu gehören laufender Betrieb und Wartung, der Abbau der Altanlage, Machbarkeitsstudien vor der Entscheidung, Finanzierungskosten, Steuern und die Arbeit eigener Beschäftigter. Zählen können nur Kosten, für die beim Nachweis eine Rechnung vorliegt. Für dieselben Kosten darf außerdem keine andere Beihilfe fließen; eine nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz geförderte Photovoltaikanlage zählt deshalb nicht mit.

Bis wann muss investiert sein?

Für den Zuschuss 2026 lassen sich Maßnahmen anrechnen, die ab 2026 umgesetzt werden; Kosten aus der Zeit davor zählen nicht. Wer vor dem Bescheid baut, tut das auf eigenes Risiko, denn ein Recht auf einen positiven Bescheid entsteht dadurch nicht. Danach bleiben in der Regel 48 Monate ab dem Bescheid; länger nur, wenn später technische Gründe auftreten, in der Regel höchstens 72 Monate.

Den Nachweis führt das Unternehmen selbst, spätestens drei Monate nach Ablauf der Frist, mit einer Aufstellung der Maßnahmen und ohne PrüfungsvermerkSchriftliche Bestätigung des Wirtschaftsprüfers über geprüfte Angaben. Beim Industriestrompreis ab 10 Gigawattstunden je Antrag nötig: Er bestätigt mit hinreichender Sicherheit Branche, Stromverbrauch und Abgrenzung zur Strompreiskompensation.; Rechnungen legt es auf Anforderung des BAFA vor. Ist eine Investition größer als nötig, darf der Überschuss auch die Gegenleistung anderer AbrechnungsjahrDas Kalenderjahr, für das der Industriestrompreis gewährt wird, also 2026, 2027 oder 2028. Beantragt und ausgezahlt wird jeweils im folgenden Jahr, für 2026 also 2027. decken, wenn die Fristen passen; die Aufteilung gibt das Unternehmen beim Nachweis an.

Was passiert, wenn die Investition ausbleibt?

Die Rückforderung übersteigt die Lücke deutlich. Fehlt ein Teil der Gegenleistung, hebt das BAFA den Bescheid im selben Verhältnis auf und fordert den entsprechenden Anteil des Zuschusses zurück, verzinst mit fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz ab dem Tag der Auszahlung. Weil die Pflicht nur die Hälfte des Zuschusses beträgt, die Rückforderung sich aber auf den ganzen Zuschuss bezieht, löst jeder fehlende Euro rund zwei Euro Rückforderung aus.

Abb. 1: Was eine Lücke in der Gegenleistung kostet (eigene Darstellung nach dem BAFA-Merkblatt zu Dekarbonisierungsmaßnahmen, Kapitel 5, Stand 04.08.2026; Beispiel erfunden)

Setzt die Gießerei statt 74.880 Euro nur 60.000 Euro um, fehlen knapp 20 Prozent der Pflicht. Zurückzuzahlen sind dann knapp 20 Prozent des Zuschusses, rund 29.760 Euro, zuzüglich Zinsen. Kommt der Nachweis zu spät, ist sogar der ganze Bescheid aufzuheben.

Wie dokumentiert man die Gegenleistung von Anfang an?

Die Autoschmiede beginnt mit einer Liste. Sie ordnet ihre geplanten Investitionen den vier Gruppen zu, prüft für jede Maßnahme, ob schon eine andere Förderung fließt, und legt Rechnungen und Abnahmeprotokolle je Maßnahme getrennt ab. Für den Speicher der Schmiede will sie nach dem Bescheid und vor dem Bau die Vorabentscheidung des BAFA einholen. Weil die Liste der Maßnahmen oft dieselbe ist wie die Klimaplanung, gehört das Nachhaltigkeitsteam von Anfang an dazu; wann sich der FlexibilitätsbonusZehn Prozent mehr Zuschuss, wenn das Unternehmen im Antrag zusagt, 80 Prozent seiner Gegenleistung ohne Bonus in Flexibilität wie Speicher oder Laststeuerung zu investieren und drei Viertel des Bonus zusätzlich. rechnet, zeigt Teil 4.

FAQ

Was ist die Gegenleistung beim Industrie­strom­preis?
Mindestens die Hälfte des Zuschusses muss in neue oder modernisierte Anlagen fließen, die die Kosten des Stromsystems senken.
Welche Maßnahmen zählen?
Erneuerbare Erzeugung, Stromeffizienz, Flexibilität wie Speicher oder Laststeuerung und Netzinfrastruktur; im Zweifel entscheidet das BAFA nach dem Bescheid auf Antrag, bevor die Maßnahme umgesetzt wird.
Bis wann muss investiert sein?
In der Regel binnen 48 Monaten nach dem Bescheid; der Nachweis folgt spätestens drei Monate nach Fristende.
Braucht der Nachweis der Gegenleistung einen Prüfungs­vermerk?
Nein. Das Unternehmen weist die Investition selbst nach, mit einer Aufstellung; Rechnungen auf Anforderung.
Was passiert, wenn weniger investiert wird?
Das BAFA fordert den Zuschuss im Verhältnis der fehlenden Gegenleistung zurück, verzinst ab der Auszahlung; jeder fehlende Euro löst so rund zwei Euro Rückforderung aus.

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Alle Teile der Reihe Industriestrompreis

Teil 3 von 9. Der nächste Teil erscheint am 29.10.2026.

Teil 4 erscheint am 29.10.2026

  1. ÜbersichtIndustrie­strom­preis 2026: Überblick, Antrag, FristenÜbersicht lesen
  2. Teil 1Was ist der Industrie­strom­preis und was bringt er?Artikel lesen
  3. Teil 2Für wen gilt er? Branche und StandortArtikel lesen
  4. Teil 3Die GegenleistungSie lesen diesen Teil
  5. Teil 4Erscheint am 29.10.2026
  6. Teil 5Erscheint am 03.11.2026
  7. Teil 6Erscheint am 05.11.2026
  8. Teil 7Erscheint am 10.11.2026
  9. Teil 8Erscheint am 12.11.2026
  10. Teil 9Erscheint am 17.11.2026